Das neue EU-Recht .. oder was viele davon halten..

Bei eBay ist oft folgendes zu Lesen:

Hinweis zur Gewährleistung: Die neue Gesetzgebung sieht vor, dass auch Privatverkäufer Gewährleistung bzw. Garantie übernehmen, wenn sie diese nicht explizit ausschließen. Ich trete als Privatperson auf und lehne jegliche Gewährleistung ab.

oder:

Der Artikel wird „so wie er ist“ von Privat verkauft, dies bedeutet: Mit der Abgabe eines Gebotes erklären Sie sich ausdrücklich damit einverstanden, auf die Ihnen nach neuem EU-Recht gesetzlich zustehende Gewährleistung/Garantie bei Gebrauchtwaren völlig zu verzichten.

oder:

Dies ist ein Privatverkauf einer Gebrauchtware, bei dem jedweder Garantieanspruch ausgeschlossen ist! Bieten Sie also bitte nur mit, wenn Sie ausdrücklich auf die gesetzliche Gewährleistung völlig verzichten. Dieser Textzusatz ist nötig, denn das neue EU-Recht sieht eine mindestens einjährige Garantie bei Gebrauchtwaren vor und das würde in keinem Verhältnis zum Kaufpreis stehen.

Alles Schmarrn!

Es genügt:

„Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung“

Punkt.

Es gibt dieses Gesetz nicht…

Stadt Stein: Die alte Kirche

Ihre Entstehung ist in mittelbarem Bezug mit dem nochmaligen Hüter des Kaiserlichen Landgerichts zu sehen. Im Jahre 1456 erzwang Markgraf Albrecht Achilles die Übersiedelung des Gerichtes an die Rezat in seine Residenzstadt Ansbach. Da er auch die Landeshoheit über Stein versah, musste sich Cornelias Lebrun, ein maßgebliches Glied der Nürnberger Reformierten an ihn wenden, um den Bau eines Gotteshauses für die in der Reichsstadt lebenden Gemeindemitglieder zu erhalten.
Dies gelang 1658 in einem zweiten Versuch – unter Vermittlung des Großen Kurfürsten von der Mark Brandenburg – mit der Auflage, dass ein Prediger den Gottesdienst halte, man gemeinschaftlich singe, bete, die Predigt anhöre und zum Abendmahl gehe, diese Religionsausübung aber in einem Gebäude geschähe, das nicht in Form einer Kirche gebaut und vor allem kein Glockengeläut haben dürfe.
So entstand ein freistehender stattlicher Rechteckbau aus unverputzten Sandsteinquadern, in dem 1660 der erste feierliche Gottesdienst stattfand. 44 Jahre lang fahren die Reformierten sonntags mit der Kutsche zu ihrem Steiner Bethaus, bis ihnen der Nürnberger Rat die Religionsausübung ab 1704 innerhalb seiner Mauern in der St. Marthakirche für dauernd bewilligte.
Mehr als ein Jahrhundert später erwarb der Bleistiftfabrikant Georg Leonhard Faber das Bethaus zusammen mit dem anschließenden Spital und ließ Arbeiterwohnungen einrichten, ehe die Stadt Stein 1978 die „Alte Kirche“ von der Firma Faber-Castell kaufe und unter Angleichung an den ursprünglichen Zustand zu einem kommunalen Kulturzentrum umgestaltete.

Stadt Stein: Das Schloß samt den Werksanlagen von A.W. Faber-Castell

Seit 1761 ist das Schicksal Steins eng mit der Handwerkerfamilie Faber und später dem Geschlecht Castell-Rüdenhausen verknüpft. In diesem Jahr begann der Schreiner Kaspar Faber, der sich einige Jahre zuvor, von Langenzenn kommend, in Stein niedergelassen hatte, mit der Fertigung von „Bleiweißstefften“ in handwerklich einfacher Form, denn eine industrielle Produktion war noch nicht möglich. Auch gab es noch keinen Berufsstand des „Bleistiftmachers“, obgleich versucht worden war, das Bleistiftmachen zu einem zunftgerechten Handwerk zu erheben. Diese Bestrebungen scheiterten an der fehlenden Genehmigung des Nürnberger Rugsamtes, das die Gewerbeaufsicht in der Reichsstadt und ihrem Umland ausübte. Die Geschichte Steins stand auch in der Mitte des 18. Jhs. noch ganz im Einflussbereich der fränkischen Metropole, obwohl diese schon viel von ihrem Glanze verloren hatte.
Insbesondere der Verkauf von Bleistiften geschah noch in vormerkantiler Form. Es ist zum Beispiel überliefert, dass Anton Wilhelm Fabers Frau mit dem Weidenkorb nach Nürnberg auf den Markt ging, um dort Bleistifte anzubieten, so wie es schon 250 Jahre früher Albrecht Dürers Frau Agnes mit dessen Graphikblättern getan hatte.
Obgleich es also noch keinerlei geregelte Handelsgeschäfte gab, konnte Kaspar Fabers Sohn Anton Wilhelm nach Übernahme des kleinen Handwerksbetriebes 1783 mit der von seinem Vater ererbten Barschaft den sogenannten „unteren Spitzgarten“ für die Vergrößerung des Werksgeländes erwerben. Damit waren die Wurzeln des nochmaligen Weltunternehmens A. W. Faber-Castell geschlagen, dessen Stammhaus in Stein sein historisches Verwaltungsgebäude noch heute in diesem Flurbereich stehen hat und das mittlerweile in der achten Generation in Familienbesitz geführt wird.
Obgleich sich jeder einzelne in der Reihe der Firmeneigentümer nach seinen Kräften bemühte, beeinträchtigten äußere Einflüsse mitunter den wirtschaftlichen Erfolg. Für Georg Leonhard Faber brachte die napoleonische Zeit manche Einschränkungen mit sich, und die fortschreitende Erschöpfung der englischen Graphitgruben führte zu einer erheblichen Verknappung und Verteuerung des für die Bleistiftherstellung unerlässlichen Rohstoffs.
Eine entscheidende Wende vollzog sich, als der erst 22-jährige Lothar Faber nach dem plötzlichen Tod seines Vaters Georg Leonhard 1839 die kleine Fabrik in einem wenig guten Zustand übernahm und seine Kenntnisse aus der kaufmännischen Ausbildung in Nürnberg und seine Erfahrungen eines freien Handels, einer blühenden Industrie und einer entwickelten Bleistiftproduktion aus Paris einbrachte.
Um den Absatz zu fördern, reiste Lothar mit einer Kollektion von Musterstiften durch Deutschland und Europa bis nach Russland und kehrte stets mit vollen Auftragsbüchern zurück. 1849 wagte er den Sprung nach Übersee und gründete in New York eine eigene Handelsniederlassung, womit der Schritt auf den Weltmarkt getan war.
In Stein waren inzwischen beiderseits der Rednitz neue Fabrikationsgebäude des Bleistiftunternehmens entstanden, für dessen Beschäftigte eine Arbeitersiedlung angelegt, ein Kindergarten eingerichtet, ein Schulhaus gebaut und schließlich 1861 sogar eine Kirche errichtet, alles maßgeblich gegründet, gefördert und finanziert durch den Fabrikanten Lothar von Faber, der aufgrund seiner sozialen und wirtschaftlichen Leistungen 1862 vom bayerischen König Maximilian II. geadelt und 1881 in den erblichen Freiherrenstand erhoben wurde.
Lothar von Faber hatte in seinem arbeitsreichen Leben nahezu alles erreicht, was sich ein Unternehmer seiner Prägung zum Ziele setzen kann, nur blieb ihm die männliche Nachfolge in seinem Betrieb versagt, da sein Sohn Wilhelm erst 43-jährig vor ihm verstorben war. So ging nach Lothars Tod 1896 die Firmenleitung zunächst an seine Witwe und später an seine Enkelin Ottilie über. Diese heiratete 1898 den Grafen Alexander zu Castell-Rüdenhausen, der gleichzeitig als Teilhaber in die Firma eintrat und den Familien- und Firmennamen A.W. Faber-Castell begründete. Wohnung nahm Graf Alexander mit seiner Familie in dem von 1903 bis 1906 erbauten Neuen Schloß.
Der in Anlehnung an den Stil der deutschen Romanik (um 1200) errichteten Prachtbau ist in Verbindung mit dem Alten Schloß zum Wahrzeichen der Stadt Stein geworden und verkörpert den wirtschaftlichen Erfolg einer Familie, durch die eine anfangs kleine, ja gesichtslose Gemeinde zu einem einflussreichen, im sozialen Sinne fortschrittlichen Industriezentrum mit beispielhafter Ausstrahlung wurde.
Insbesondere das fürstliche Ambiente mit Schloß, Park im englischen Stil mit künstlich aufgestautem Weiher, Forst- und Rentamt, ehemaligem Gutshof und Reitstall tragen zum dekorativen Erscheinungsbild bei, wie andererseits die Stiftungen der Unternehmerfamilie als Arbeitgeber das soziale Umfeld mitbestimmen. Dies lag und liegt auch Graf Alexanders Nachkommen und Nachfolgern in der Unternehmensleitung am Herzen.
Ähnlich wie sein Urgroßvater Lothar musste Roland Graf von Faber-Castell schon 1928 als 23-jähriger die Firmenleitung übernehmen, die er 50 Jahre lang in Händen hielt. Dabei gelang es im Laufe der Zeit, den starken Absatzrückgang als Folge des 1. Weltkriegs auszugleichen und den Verlust der Produktions- und Vertriebsstandorte nach dem 2. Weltkrieg zurückzugewinnen sowie einen weitläufig gebauten neuen U-förmigen Fabriktrakt zu erstellen, der die Möglichkeiten zur großzügigen Erweiterung bot.
Im Gefolge des deutschen Wirtschaftswunders expandierten die Produktionsraten. 1952 begann Faber-Castell als erstes Unternehmen der deutschen Bleistiftindustrie mit der Fertigung von Kugelschreibern. Der seit 1978 verantwortliche Firmenchef Anton Wolfgang Graf Faber-Castell veranlasste eine Neuorientierung des Sortiments, leitete mit der Aufnahme der Kosmetikstiftproduktion den Ausgleich zu der dem Taschenrechner gegenüber verlorengegangenen Rechenstabfertigung ein und betonte die Rückbesinnung darauf, was Lothar von Faber einst propagiert hatte und womit er dem Unternehmen zu internationaler Größe verhalf: „Die besten Stifte der Welt zu machen „. Die Verwirklichung dieser Zielvorstellungen hatte ihre sichtbaren Auswirkungen auf die Entwicklungsgeschichte Steins, die in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. durch den Menschen.

Stadt Stein: Menschen

Die Verwirklichung dieser Zielvorstellungen hatte ihre sichtbaren Auswirkungen auf die Entwicklungsgeschichte Steins, die in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. durch den Menschen Lothar von Faber personifiziert ist. In der richtigen Erkenntnis seiner außergewöhnlichen Lebensleistung setzte die Gemeinde ihrer namhaftesten Persönlichkeit in Anerkennung und Dankbarkeit ein lebensechtes Denkmal angesichts seiner Kirchenstiftung, was durch die derzeitige Ausgestaltung des Martin-Luther-Platzes deutlicher zum Ausdruck kommt. Als Unternehmer und Wohltäter war sicherlich Lothar von Faber bis heute der bedeutendste und einflussreichste unter den Menschen, die in Stein lebten und wirkten. Seine Biographie – mit Bezug auf seine schriftlichen Selbstzeugnisse – würde unschwer den vorhandenen Platz alleine füllen.
Von anderen Menschen hierorts, die auch den Wellenschlag der Geschichte spürten oder in ihre Strudel gerissen und fortgetragen wurden, ist uns oft nicht mehr als der Name überliefert, der in frühen Tagen vielfach von ihrer Tätigkeit abgeleitet war. Wir wissen nichts weiter von ihnen, obwohl sich hinter jedem Namen ein Schicksal verbirgt. Es sind in jedem Falle die Menschen, die den Ort mit Leben erfüllt haben und seine Entwicklung mittragen.
So ist uns in zwei Verzeichnissen der Stadt Nürnberg, die im Hinblick auf den 1. Markgrafenkrieg angelegt wurden, jeweils der Name eines Heintz F(V)ischer überkommen, dem möglicherweise das Fischrecht in der Rednitz oblag. Neben ihm stoßen wir auf einen Hanns Mulner (Müller), Erhart Klingensmit (Klingenschmied) und Kuntz Sleifer (Schleifer), die alle drei Gewerbstätigkeiten aus der Frühzeit der Siedlung pflegten.
Während in Güterverzeichnissen zu Beginn der Neuzeit noch Name und Beruf mitgeteilt sind, ist später nur noch pauschal von Fabrikarbeitern die Rede, deren Namen öffentlich allenfalls in Ehrentafeln für Gefallene auftauchen. Am ergreifendsten wirkt hier das Schicksal der Familie Reisch, die im 2. Weltkrieg ihre vier Söhne verlor, und deren Vater beim Einmarsch der Amerikaner auf seinem Hof angeschossen wurde und am 1. Mai 1945 als spätes Opfer einer zur gewissenlosen Machtpolitik entarteten Herrschaft starb.